
Drei Meter Länge, vier Sitzplätze und ein Verbrauch von nur 4,5 Litern. Das klingt nach einem modernen Kleinwagen! Tatsächlich entstand der knuffig runde Fiat 500 Nuova bereits 1957. Schnell entwickelte sich der Kleinstwagen zum Volksauto Nummer 1 in Italien und verkaufte sich auch im europäischen Ausland sehr gut. Bis zur Einstellung wurden 3,7 Millionen Fiat 500 Nuova als Limousine und Kombi gebaut. Das Design stammt von Dante Giacosa, einem der einflussreichsten Konstrukteure der Automobilgeschichte. Anfangs als hässliches Auto belächelt, eroberte der Nuova bald die Herzen der Käufer. Und tut es noch heute. Sein Retrodesign erlebt im modernen Kleinwagen seine Wiederauferstehung.
Zwei Zylinder erobern Italien: Der Fiat 500 Nuova!
Ein erster Prototyp des Fiat 500 Nuova kam bereits 1953 aus Deutschland. Er stammte von Karl Bauhof, Betriebsleiter des Weinsberg-Karosseriewerks. Er entwarf die Karosserie vor allem nach ökonomischen Maßstäben. Für den technischen Teil holte er sich den ehemaligen Rennfahrer und Diplom-Ingenieur Hermann Holbein ins Boot. Dieser hatte zuvor den Kleinstwagen Champion entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem BMW-Oberingenieur Karl Schäfer konstruierte er das Chassis des Prototyps (Projektname HR3). Vorgesehen war ein Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 396 cm³. Im November 1953 war der Kleinstwagen fertig. Der Technische Direktor Professor Valetta und Chefkonstrukteur Dante Giacosa wurden nach Weinsberg eingeladen. Bis auf die Fronttür gefiel ihnen der Wagen „an sich ganz gut“.
Noch im Dezember 1953 machte sich das Team um Bauhoff an die Arbeit und konstruierte den HR4. Im Juli 1954 überführten Bauhoff und einer seiner Mitarbeiter den Prototypen auf eigene Achse nach Turin. Der Winzling gefiel. Jedoch war Giacosa gegen das Konzept des Zweitakters. Fiat begann mit der Entwicklung eines eigenen Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotors mit anfänglich 400, später 500 cm³. Die italienischen Ingenieure überarbeiteten den Prototypen, beließen aber die Grundform. Ende 1957 ging das Auto als Fiat 500 Nuova in Großserie.
Behäbig und robust: Fiat 500 Nuova!
Werner Oswald, Redakteur bei auto motor und sport beschrieb den Fiat 500 als „behäbigen, robusten Brummer“. Den kleinen Zweizylinder betitelte er als „verhältnismäßig niedertourige Drosselmaschine“. Nicht ganz zu Unrecht. Der 479 cm³ Heckmotor mobilisierte magere 13,5 PS und brachte den Fiat 500 Nuova nur auf 80 bis 85 km/h. Fiat reagierte recht schnell und erhöhte die Leistung auf 15 PS. Immerhin 90 km/h waren nun möglich. 1958 wurde ein etwas größerer 499,5 cm³ Motor eingeführt. Dieser leistete 21,5 PS. 1960 wurde die Leistung jedoch auf 18 PS gedrosselt. Der zuletzt eingeführte 594 cm³ Zweizylinder hatte ebenfalls eine Leistung von 18 PS. Die Kraftübertragung erfolgte ausschließlich mittels unsynchronisiertem, manuellem 4-Gang-Schaltgetriebe. Beim Schalten musste also Zwischengas gegeben werden. Ausgerüstet war der Fiat 500 Nuova mit einer seinerzeit modernen 12-Volt-Bordelektrik. Auch einen Vorläufer des Tempomaten gab es bereits – das feststellbare Handgas.
Preissenkung? Wo gibt’s denn sowas?
Bei seiner Markteinführung 1957 kostete der Fiat 500 Nuova 3.390 DM. Schleppende Verkäufe sorgten für die Reduzierung des Preises auf 2.990 DM. Kunden, die den Einführungspreis gezahlt hatten, bekamen gar eine Entschädigung. Zum Vergleich: Ein VW Käfer 1200 Standard kostete zur selben Zeit 3.790 DM. Eine Isetta 300 war für 2.890 und ein Goggomobil T400 für 3.232 DM zu haben.
Verzicht ist Trumpf!
Die ersten Modelle waren sehr spartanisch ausgestattet. Kurbelfenster, eine richtige Lüftung oder gar eine Heizung waren nicht vorhanden. Das lange Faltdach, welches heute schicken Lifestyle ausdrückt, war früher eher ein Ausdruck der Sparsamkeit. Ein festes Dach gab es erst ab 1965. Bereits 1958 wertete Fiat den 500 Nuova durch diverse Zierleisten und Kurbelfenster auf. Eine Heizung war für 180 DM extra ebenfalls möglich. Die Sitze schien Fiat im Gartencenter zugekauft zu haben. Jedoch sind die stoffüberzogenen Stahlrohrstühle durchaus bequem.
Auch wenn der Fiat 500 Nuova als Viersitzer bezeichnet wird: Die hinteren Plätze sind allenfalls für Kinder geeignet. Ein richtiger Kofferraum ist nicht vorhanden. Der Platz unter der vorderen Haube ist mit Tank, Reserverad, Batterie, Bordwerkzeug und Bremsflüssigkeitsbehälter fast restlos ausgefüllt. Lediglich 30 Liter stehen zur Verfügung. Platz für etwas zusätzliches Gepäck bleibt nur hinter den vorderen Sitzen. Sparsamkeit zeigt sich auch am Armaturenbrett. Einziges Instrument ist der Tachometer. Zusätzlich ist noch eine Warnleuchte für die Benzinreserve verbaut.
Bis 1965 (Einführung der F-Modelle) war der Fiat 500 Nuova mit sogenannten „Selbstmördertüren“ (hinten angeschlagen) ausgeliefert. Bei der Kombiversion Giardiniera wurde dieses Konzept auch später beibehalten. Aus diesem Grund durften sie ab 1965 in Deutschland nicht mehr verkauft werden. Die Limousinen hingegen wurden mit vorn angeschlagenen Türen weiter gebaut.
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Kleintransporter: Der Fiat 500 Nuova Giardiniera
1960 führte Fiat eine Kombiversion des Kleinstwagens ein. Um dem Kofferraum einen halbwegs ebenen Boden zu geben, musste die Motorkonstruktion geändert werden. Der erste von Fiat verwendete Unterflurmotor machte den Umbau des Zweizylinders erforderlich. Lediglich der Kurbeltrieb ist mit dem Motor der Limousine identisch. Der Radstand wurde auf 1,94 Meter verlängert und schafft so Platz für vollwertige, umklappbare Rücksitze.
Zwergensport: Fiat Abarth 595
Der Fiat 500 Nuova ist nicht der erste Fiat, dem Abarth Beine machte. Bereits der Fiat 600 wurde durch den Tuningbetrieb aufgewertet. 1963 modifizierte Abarth Kolben, Nockenwelle und Vergaseranlage des 18-PS-Triebwerkes. Mit den Änderungen brachte es der kleine Flitzer auf 27 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Bei den 595 SS-Modellen wurde auch das Fahrwerk optimiert. Die Spitze der Evolution wurde mit dem Fiat Abarth 695 erreicht. Dessen Rennmotor mobilisierte 38 PS. 1966 wurden auch ein Ölkühler und ein verstärktes Fahrwerk verbaut.
Fiat 500, Puch 500, was denn nun?
Das österreichische Unternehmen Puch stellte den Fiat 500 ab 1957 in Lizenz her. Jedoch mit einigen großen Abweichungen. Optisch fallen das verlängerte Dach, die steiler stehende Heckscheibe und die anderen Lüftungsschlitze der Motorhaube auf. Der eigentliche Unterschied ist nicht zu sehen. Puch verwendete ausschließlich selbst konstruierte, luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotoren. Auch das Fahrwerk und das Getriebe waren aus eigener Herstellung und im Gegensatz zu Fiat synchronisiert.
Das wohl beliebteste Modell war der 30 PS starke 650 TR 1. Heinz Liedl schaffte mit einem solchen Modell dreimal den Sieg der Deutschen Bergmeisterschaften der Tourenwagen. Der 650 TR 2 (34 PS) wurde 1966 sogar Rallye-Europameister.
Lohnenswerter Oldtimer?
Der Fiat 500 Nuova ist ein Sympathieträger. Er zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht. Die meisten Exemplare haben mindestens eine Restauration erlebt und sind (wenn nicht gepfuscht wurde) die Kinderkrankheiten los. Dennoch sollten Sie folgende neuralgische Punkte genauer untersuchen:
- Unterseiten der Türen
- Bodenbleche und Querträger
- Schweller
- Radläufe vorn und hinten
- Reserveradmulde und Batteriefach
- Hohlraum im Fußraum und unter den Pedalen
Das Fahrwerk ist relativ empfindlich. Bereits kurze Kontakte mit dem Bordstein können Schäden an Achsschenkeln und Lenkungsteilen verursachen. Bremsen, Getriebelager und Achsmanschetten sollten ebenfalls begutachtet werden. Probleme mit der Elektrik sind oft korrodierten Anschlüssen zuzuordnen. Die Preise für einen neuen Kabelbaum sind verhältnismäßig gering. Der Austausch kann viel bewirken. Die Ersatzteilversorgung gilt als gesichert. Vieles ist noch im Original erhältlich. Einiges wird nachgefertigt.
Für eine fahrbereiten Fiat 500 Nuova müssen mindestens 6.000 Euro eingeplant werden. Bessere Exemplare kosten circa 10.000 Euro. Top-Exemplare oder seltene Oldtimer werden zum Teil jenseits der 15.000 Euro gehandelt.
FAQ
Die ersten Fiat 500 Nuova kamen mit dem 13-PS-Motor auf eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 80 km/h. Durch Leistungssteigerungen wurden später etwa 100 km/h erreicht. Die Varianten Abarth 595 erreichten etwa 120 km/h.
Für fahrbereite und gut erhaltene Exemplare werden ab 6.000 Euro verlangt. Top-Exemplare und Raritäten kosten mehr als 10.000 Euro.