
Der Lamborghini-Miura-Oldtimer gilt als einer der legendärsten italienischen Supersportwagen und ist der Begründer des modernen Supersportwagen-Konzepts. Mit seiner Vorstellung 1966 revolutionierte Lamborghini die Automobilwelt: Er war einer der ersten Straßenwagen mit Mittelmotor-Layout, elegantem Design und brutaler Performance. Attribute, die noch heute Standards setzen. Der Miura verbindet Technik und Kunst auf einzigartige Weise und ist nicht nur ein heiß begehrter Klassiker unter Sammlern, sondern ein Symbol purer automobiler Leidenschaft. In diesem Artikel beleuchten wir seine Entstehung, Design-Philosophie, Technik, Varianten, Erfolge und geben eine praxisnahe Kaufberatung zu Schwachstellen, Ersatzteilen und Preisen.
Vom Ackerschlepper zum schnellsten Serienauto der Welt!

Lamborghini war bis dato vor allem als Hersteller von Traktoren bekannt. Sportwagen kamen erst ab 1963 mit dem 350 GT hinzu. Weltweite Berühmtheit erlangte Lamborghini mit dem Miura. Was genau Ferruccio Lamborghini dazu brachte, diesen Weg zu gehen ist nicht bekannt. Spekulationen nennen zwei Ursachen:
- Ferruccio Lamborghini soll seine Unzufriedenheit über die Qualität der Ferrari-Sportwagen mit dem Bau eigener Fahrzeuge kompensiert haben.
- Ferrari wollte Lamborghinis Vorstellungen eines Sportwagens nach seinen Vorstellungen nicht umsetzen.
Egal was es wirklich war. Ferrucio tat das Richtige und erschuf eine Legende!
Als Lamborghini den Miura P400 vorstellte, reagierte die Fachpresse aufgeregt. Nicht nur, weil er zu dieser Zeit der schnellste Sportwagen mit Straßenzulassung war, sondern vor allem, weil der italienische Hersteller eine neue Klasse erschuf. Der Gründer Ferruccio Lamborghini wollte etwas noch Radikaleres schaffen. Einen Supersportwagen, der nicht nur schnell war, sondern auch optisch und technisch neue Maßstäbe setzte. Nie zuvor gab es einen Straßensportwagen mit quer eingebautem V12-Mittelmotor! Interessanter Fakt: Der Miura wurde nach Feierabend von einem, vorwiegend aus jungen Leuten bestehendem, Ingenieursteam konstruiert. Ursprünglich als Rennsportwagen konzipiert, wurde der Miura zum Straßensportwagen gemacht.
Der Durchbruch kam 1966 auf dem Genfer Autosalon, als der Miura P400 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der Name „Miura“ leitet sich von einer spanischen Kampfstier-Zuchtlinie ab: ein Hinweis auf Kraft, Eleganz und wilde Energie. Das revolutionäre Konzept: ein Mittelmotor-Straßenwagen, bei dem der Motor hinter dem Fahrgast, aber vor der Hinterachse sitzt – eine Anordnung, die später bei Fahrzeugen wie Ferrari 365 GTB/4 „Daytona“ oder Lamborghini Countach kopiert wurde.
Der P400 war der Prototyp; kurz darauf begann die Serienproduktion. Anfangs war der Wagen noch etwas roh, doch mit Verbesserungen wurde er schnell zum Synonym für Geschwindigkeit, Stil und Prestige. Auch sein Nachfolger, der Lamborghini LP 400 Countach, setzte Maßstäbe und die Tradition den Hauses Lamborghini fort.
Komfort geht anders, Fahrspaß nicht!

Beim Lamborghini Miura verschmilzt Designkunst mit funktionaler Ingenieursleistung. Verantwortlich für das ikonische Styling war Marcello Gandini bei Bertone, der durch diesen Entwurf zur Berühmtheit wurde. Schon beim ersten Blick erkennt man die charakteristische Silhouette: niedrig, lang, elegant. Die Bequemlichkeit eines GT ist dafür in weiter Ferne. Aber wer sucht schon einen Fernsehsessel, wenn er in einem Supersportler unterwegs sein kann? Viele Designelemente wurden noch viele Jahre von anderen Sportwagenherstellern übernommen. So zum Beispiel die Lamellenstoren an der flachen Heckscheibe. Der Miura baute auf Rennsporttechnik. Demzufolge waren, trotz leidlicher Versuche der Ingenieure, die Auswirkungen des Mittelmotors kaum abgemildert. Die Geräuschkulisse erübrigt den Einbau eines Radios oder den Versuch, ein Gespräch mit dem Beifahrer zu beginnen. Ebenso ist die Wärmeentwicklung sehr hoch.
Äußeres Design
- Flache Front mit charakteristischen Scheinwerfer-„Augen“ hinter Glasabdeckungen
- Lange Motorhaube und kurze Heckpartie – klassische „Wedge-Form“, typisch für die späten 60er
- Rundungen und Kanten perfekt ausbalanciert – kein Detail wirkt überladen
Diese Form brachte nicht nur eine unverwechselbare Ästhetik, sondern auch aerodynamische Vorteile.
Innenraum
Der Innenraum des Miura ist kompakt, fahrerorientiert und luxuriös zugleich:
- Tiefe Sportsitze mit Lederbezug – Komfort kaum vorhanden, dafür enge Verbindung mit dem Fahrzeug.
- Klare Rundinstrumente – alles im Blickfeld des Fahrers
- Minimalistische Mittelkonsole mit klassischen Schaltern
- Aluminium- und Lederakzente unterstreichen Exklusivität
Der Innenraum verfolgt ein klares Ziel: Fahrer und Maschine verschmelzen zu einer Einheit!
Lamborghini Miura: Alles andere als zahm!

Technisch war der Lamborghini Miura seiner Zeit weit voraus. Sein Herzstück war ein mittig platzierter V12-Motor, der Leistung und Balance kombinierte. Auf wirklich hohe Endgeschwindigkeiten ist der Miura aerodynamisch nicht ausgelegt. Der Rennfahrer Jose Rosinski setzte sich 1970 für einen Test der Zeitschrift „Sport-Auto“ ans Steuer. Das Testfahrzeug war nicht ganz vollgetankt. Das fehlende Benzin im vorn liegenden Tank machte die Front zu leicht. Bei 289 km/h hob der Wagen ab. Spoiler, die den Abtrieb verbesserten, gab es am Miura nicht. Für jedermann war er nicht gedacht. Es erforderte viel Erfahrung, den im Grenzbereich schwer beherrschbaren Italiener zu fahren. Dass der Supersportler nicht vollkommen ausgereift war, zeigten auch reihenweise verglühte Kupplungen und Motorbrände.
Aber sind wir doch ehrlich: Ein Supersportler ist kein Alltagswagen. So ein Auto soll nicht handzahm sein!
Motor & Leistung
- Typ: 60°-V12, DOHC, vier Ventile pro Zylinder
- Hubraum: 3,9 Liter
- Leistung: ca. 350 PS im P400-Urmodell, später bis über 380 PS im SV
- Antrieb: Hinterradantrieb über 5-Gang-Schaltgetriebe
Der Motor wurde händisch angefertigt und zeichnete sich durch enorme Laufruhe, Leistung und einen unverwechselbaren Klang aus. Ein Markenzeichen aller großen Lamborghini-V12.
Fahrwerk & Handling
- Unabhängige Radaufhängung rundum
- Doppelquerlenker-Vorderachse
- Leichtmetallfelgen und hochwertige Reifen jener Zeit
- Niedriger Schwerpunkt dank Mittelmotor
Dank dieser Konfiguration war der Miura nicht nur schnell, sondern auch erstaunlich agil auf kurvigen Strecken.
Evolution des Lamborghini Miura

Im Laufe seiner Produktionszeit entstanden mehrere Varianten, die den Miura immer wieder optimierten.
Miura P400
Das Urmodell: elegant, roh, revolutionär. Mit etwa 350 PS war er einer der schnellsten Serienwagen seiner Zeit und setzte Standards für Supersportwagen.
Miura P400 S
Eine weiterentwickelte Version mit Detailverbesserungen: besserer Innenraum, mehr Komfort und leichte Optimierungen bei Fahrwerk und Handling.
Miura SV (Super Veloce)
Die legendäre Top-Variante:
- Mehr Leistung (ca. 380 PS)
- Leichtere Komponenten
- Aggressivere Aerodynamik
- Verbesserte Kühlung
Die SV-Modelle gelten heute als die ultimative Ausprägung des Miura und sind besonders bei Sammlern begehrt.
Einzelstücke und Sonderanfertigungen
Einzelne Karosserien oder Showcars mit exklusiven Details existieren, sind aber extrem selten und meist in Museen oder in privater Hand. Ein Beispiel: Der Lamborghini Jota, ein Umbau des Lamborghini-Testfahrers Bob Wallace.
Lamborghini Miura: Kein Werks-Rennwagen

Der Lamborghini Miura war trotz entsprechender Technik kein klassischer Rennwagen für den Werks-Motorsport, jedoch prägte er den Motorsport auf seine Weise:
- Teilnahme an historischen Rennserien und Klassik-Events
- Bewährung bei Zeitrennen und Sprint-Wettbewerben
- Legendäre Auftritte bei Concours d’Elegance und automobilen Ausstellungen
Seine Bedeutung liegt weniger in Titeln, sondern vielmehr in der Inspiration für nachfolgende Renn- und Supersportwagen.
Ein Lamborghini-Miura-Oldtimer ist eher selten zu finden. Dennoch lohnt ein Blick in unsere Auktionen. Vielleicht ist Ihr neuer Supersportwagen dabei!
Für Fahrer mit Nerven wie Stahlseile und einem dicken Geldbeutel!
Ein Lamborghini Miura ist ein außergewöhnlicher Klassiker, aber auch ein echtes Sammlerprojekt.
Typische Schwachstellen
- Karosserie & Rost: Besonders an Radläufen, Unterboden und Schwellern
- Elektronik & Kabel: Alterung der Originalverkabelung kann zu Problemen führen
- Vergaser-/Kraftstoffsystem: Original-Weber-Vergaser erfordern feine Abstimmung
- Innenraum: Leder und Kunststoffe altern, Pflege ist notwendig
Ersatzteile & Versorgung
Dank starker Lamborghini-Community und spezialisierter Händler sind Ersatzteile verfügbar, aber teuer:
- Original-Teile über Lamborghini Classic
- Replique-Teile über Spezialanbieter
- Restaurations-Experten für Miura
Marktpreise (Stand 2025/26)
- Miura P400 (Basis): ca. 1,2–2,0 Mio. Euro
- Miura P400 S: ca. 2,0–3,5 Mio. Euro
- Miura SV: 3,5–6,0 Mio. Euro
Extrem seltene oder perfekt restaurierte Exemplare können diese Werte deutlich übertreffen.
FAQ
Ein Lamborghini-Miura-Oldtimer kostet heute typischerweise zwischen 1,2 Millionen und über 6 Millionen Euro, abhängig von Zustand, Originalität und Modellvariante.
Insgesamt wurden zwischen 1966 und 1973 etwa 764 Lamborghini Miura produziert.