
Der AMC-Gremlin-Oldtimer ist einer der skurrilsten, aber auch faszinierendsten Klassiker der amerikanischen Automobilgeschichte. Als Antwort der American Motors Corporation (AMC) auf die Ölkrise und die zunehmende Konkurrenz aus Europa und Asien brachte der Gremlin frischen Wind in die US-Autowelt. Während die „Big Three“ kaum reagierten, erschloss AMC die Lücke der Kompaktwagen. Eine komplette Neuentwicklung war der AMC Gremlin jedoch nicht. Mit seinem ungewöhnlichen Design, seinem Mut zur Andersartigkeit und seiner überraschend soliden Technik ist der AMC Gremlin heute ein echter Geheimtipp für Liebhaber amerikanischer Kleinwagen. Sein Spitzname „Kobold“ passt perfekt – klein, eigenwillig und charmant.
AMC-Gremlin-Oldtimer: Der Ur-Golf?

Der AMC Gremlin wurde am 1. April 1970 vorgestellt – ein Datum, das die humorvolle Seite des Projekts unterstreicht. Entwickelt wurde der Wagen von der American Motors Corporation, dem kleinsten der großen US-Autobauer, um gegen die immer beliebter werdenden Importfahrzeuge wie den VW Käfer, den Toyota Corolla und den Datsun 1200 anzutreten.
Die Idee war kühn: ein Kompaktwagen auf Basis des AMC Hornet, aber mit verkürztem Radstand und eigenständiger Optik. AMC wollte damit einen amerikanischen Kleinwagen anbieten, der sparsam, günstig und zugleich robust war. Da das Budget für eine komplette Neuentwicklung fehlte, griff AMC auf Bestehendes zurück. Am Basisfahrzeug, dem AMC Hornet, wurde das Heck entfernt und stattdessen ein Schrägheck montiert. Ebenso wurde ein gutes Stück der Karosserie herausgetrennt. Das Design stammte von Richard A. Teague, der auch später Modelle wie den AMC Pacer und den Jeep Cherokee XJ entwarf.
Das Resultat war ein Auto, das zu klein für die Mittelklasse, aber zu groß für einen Kleinwagen war. Die Kompaktklasse war geboren. Die Definition der „Kompaktklasse“ wurde jedoch erst 4 Jahre später mit dem VW Golf eingeführt. Der Gremlin war somit einer der ersten echten „Subcompact Cars“ der USA – und wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Während ihn die einen als mutig und innovativ bezeichneten, hielten ihn andere für das „hässlichste Auto Amerikas“ oder betitelten ihn als „Auto für Versager“. Doch genau das machte ihn unverwechselbar. Heute, nach 55 Jahren, hat er sich zum „Underdog“ entwickelt.
Die Produktion lief von 1970 bis 1978, und mit über 670.000 gebauten Einheiten war der Gremlin ein kommerzieller Erfolg für AMC.
Unförmigkeit als Sympathieträger!

Das auffälligste Merkmal des AMC Gremlin ist zweifellos sein Design. Die Frontpartie stammte weitgehend vom AMC Hornet, doch ab der B-Säule fiel das Heck abrupt ab – fast wie abgeschnitten. Dieses „Kombi-Heck ohne Kofferraum“ war eine kostensparende, aber funktionale Lösung.
Die ungewöhnlichen Proportionen machen den Gremlin zu einem echten Blickfang. Mit einer Länge von nur 4,15 Metern ist er deutlich kürzer als andere US-Autos seiner Zeit, was ihn besonders in Städten beliebt machte.
Im vorderen Innenraum bot der Gremlin – je nach Ausstattung – überraschend viel Platz. Als Viersitzer war auf den hinteren Plätzen maximal für Kinder Platz. Beim Zweisitzer ist im Heck ein kleines Gepäckfach mit etwa 170 Liter Volumen. Ein VW Käfer bot mehr. Die Sitze waren typisch amerikanisch: weich, bequem und groß dimensioniert. Das Cockpit war schlicht, aber übersichtlich gestaltet. Besonders in den höherwertigen Gremlin-X-Versionen sorgten farbige Teppiche, Vinylsitze und optionale Holzapplikationen für ein fast luxuriöses Ambiente.
Corvette für Arme: AMC Gremlin!

Unter der eigenwilligen Karosserie des AMC-Gremlin-Oldtimers steckte solide US-Technik. AMC setzte konsequent auf bewährte Komponenten, um Zuverlässigkeit und einfache Wartung sicherzustellen.
Motorisierung
Der Gremlin wurde mit einer breiten Motorenpalette angeboten – vom sparsamen Reihenvierzylinder bis hin zum bulligen V8:
| Motor | Leistung | Drehmoment | Bauzeit |
| 3,8 R6 | 100 PS | 250 Nm | 1970-1978 |
| 4,2 R6 | 95-120 PS | 250-288 Nm | 1970-1978 |
| 5,0 V8 | 152 PS | 332 Nm | 1970-1976 |
| 2,0 R4 | 81 PS | 142 Nm | 1977-1978 |
Die großen Sechs- und Achtzylinder-Motoren waren bewährte Aggregate, die allerdings nicht als effizient galten. Der kleine Vierzylinder stammt von Audi und wurde unter anderem auch im Porsche 924 verwendet. Dort allerdings mit einer Einspritzung und entsprechend mehr Leistung.
In Verbindung mit einer 3-Gang-Automatik oder einer 4-Gang-Handschaltung war der Gremlin zwar kein Sportwagen, aber ein kräftiger, zuverlässiger Begleiter. Besonders die V8-Version machte den kleinen Wagen zur echten Spaßmaschine und wurde oft auch als „Corvette für Arme“ bezeichnet.
Fahrwerk und Antrieb
Der Gremlin besaß Hinterradantrieb und eine robuste Starrachse. Das Fahrwerk war komfortabel abgestimmt – ideal für amerikanische Straßen, aber in Kurven etwas träge. Dennoch war der Wagen in seiner Klasse für gutes Handling bekannt.
Verbrauch
Der Verbrauch lag – je nach Motorisierung – zwischen 10 und 14 Litern pro 100 km, was in den 1970er Jahren als akzeptabel galt. Jedoch ließ sich der Konkurrenz aus Japan oder Europa nicht die Stirn bieten. Daher änderte AMC die Werbestrategie und verwies darauf, dass der Gremlin viel mehr Auto fürs Geld böte als Toyota und VW.
AMC Gremlin: Auch mit Nietenjeans!

Während seiner achtjährigen Produktionszeit brachte AMC mehrere Varianten und Sondermodelle des Gremlin auf den Markt:
- Gremlin X (1971–1978): Sportliche Ausstattung mit Streifendekor, Leichtmetallfelgen und optionalem V8.
- Levi’s Edition (1973): Innenraum komplett in Denim-Optik, inklusive Nieten und Levi’s-Logo – heute extrem selten und begehrt.
- Gremlin GT (1977): Mit sportlichem Fahrwerk, schwarzen Zierleisten und kräftigerer Motorisierung.
- Electric Gremlin (1973): Prototyp mit Elektroantrieb – ein früher Versuch, alternative Antriebe zu testen.
- Gremlin Custom: individuelle Ausstattungen mit mehr Komfort und zweifarbiger Lackierung.
Jede dieser Versionen trug zum eigenständigen Charakter des Gremlin bei und machte ihn zum Symbol für AMC’s kreative Experimentierfreude.
Zwergenrennen

Zwar war der AMC Gremlin nie ein klassischer Rennwagen, doch in den SCCA-Rennserien (Sports Car Club of America) trat er in der Kompaktklasse erfolgreich an. Besonders die V8-Versionen konnten durch ihre gute Beschleunigung und einfache Technik überzeugen.
Auch im Drag-Racing fand der Gremlin eine kleine, aber treue Fangemeinde. Mit getunten V8-Motoren wurde der kleine AMC-Kobold zum echten Überraschungspaket auf der Viertelmeile.
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Individualist für Kenner

Schwachstellen
Der AMC-Gremlin-Oldtimer gilt grundsätzlich als robust, doch einige Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Rost an Radläufen, Schwellern und Bodenblechen – besonders bei US-Importen aus feuchten Regionen.
- Elektrikprobleme, vor allem bei späten Modellen.
- Innenraumausstattung aus Kunststoff und Vinyl neigt zu Rissen und Alterung.
- Fahrwerksbuchsen und Stoßdämpfer sollten regelmäßig überprüft werden.
Ersatzteile
Dank der engen Verwandtschaft zu anderen AMC-Modellen wie dem Hornet oder dem Concord ist die Ersatzteilversorgung überraschend gut. In den USA gibt es spezialisierte Anbieter für Karosserieteile, Motorenkomponenten und Interieur, die auch nach Europa liefern.
Preise (2025)
- AMC Gremlin Standard: ab 8.000 Euro (fahrbereit)
- AMC Gremlin X / Levi’s Edition: 15.000–25.000 Euro
- AMC Gremlin GT oder V8-Versionen: bis zu 35.000 Euro in Top-Zustand
Der Gremlin ist noch relativ günstig zu bekommen, doch seltene Versionen steigen stetig im Wert.
FAQ
Ein gut erhaltener AMC Gremlin kostet zwischen 10.000 und 25.000 Euro, abhängig von Motorisierung, Zustand und Sonderausstattung. Die seltenen Levi’s Edition-Modelle sind besonders begehrt und erzielen höhere Preise.
Zwischen 1970 und 1978 produzierte AMC insgesamt rund 671.475 Gremlin-Modelle. Damit war er einer der erfolgreichsten Wagen in der Geschichte von American Motors Corporation.